Stehende Gewässer

Natürlicherweise gäbe es bei uns keine stehenden Gewässer, bis auf ein paar wenige Moorseen und kleinere Tümpel, die nicht der Rede wert sind. Aber schon sehr früh wurde das Wasser der Flüsse und Bäche gesammelt, beispielsweise im Rahmen des Bergbaus. Und deshalb haben wir sogar mit dem 1585 angestauten Filzteich bei Schneeberg den ältesten Stausee Sachsens aufzubieten. Heute ein förmlich zweigeteiltes Gewässer, Naturschutz- und Erholungsgebiet zugleich.

In jüngerer Vergangenheit kamen die landschaftsprägenden Talsperren zur Trinkwassergewinnung Weiterswiese bei Carlsfeld, Sosa und Eibenstock hinzu (im Bild unten die Vorsperre der Talsperre Eibenstock bei Hundshübel).
Neben der Anlage von Teichen zu Stauzwecken für den Antrieb von Mühlen, Poch- und Hammerwerken wurden viele auch als Fischteiche angelegt, vorwiegend für Karpfen, aber auch Hechte, Schleien, Brachsen usw.

Aber nur ein Bruchteil der ehemaligen kleinen Stillgewässer ist bis heute erhalten geblieben. Um so wichtiger sind diese für die darauf spezialisierte Tierwelt und Pflanzenwelt.
Ähnliches wie in der folgenden kleinen Geschichte ist also auch hier tausendfach passiert:
„Da war zum Beispiel bei näherer Betrachtung früher rechts vom Wege, der nach der Roten Schanze führt, ein ungefähr vier bis fünf Ar großer Teich oder eigentlich Sumpf – der war nicht mehr da. Früher aller geheimnisvoll wimmelnder Wunder voll, hatte man ihn jetzt zu einem Stück mehr oder weniger fruchtbaren Kartoffellandes gemacht, und so nützlich das auch sein mochte, schöner war’s doch früher gewesen und ‘erziehlicher’ auch. Der Lurkenteich hatte das volle Recht dazu, zu verlangen, dass ich mich mit Verwunderung nach ihm umsehe und nachher schmerzlich ihn vermisse. Solch ein guter Bekannter, ja vertrauter Freund, so voll von Kalmus, Schilfrohr, Kolben, Fröschen, Schnecken, Wasserkäfern, so überschwirrt von Wasserjungfern, so überflattert von Schmetterlingen, so weidenumkränzt...‘Weiß Gott, sie hätten ihn lassen können wo er war. Sie hätten ihn lassen sollen, wie er war’, murrte ich auf meinem diesmaligen Weg zur Roten Schanze. ‘Auf die paar Säcke voll Feldfrüchte für ihr Vieh oder sich selber brauchte es ihnen doch nicht anzukommen!’“
Wilhelm Raabe (1831-1910), „Stopfkuchen“

Fließende Gewässer

Im Gegensatz zu den Standgewässern sind die vielen Flüsse und Bäche (im Bild oben der Dorfbach von Lindenau) schon seit eh und je geradezu ein Wesensmerkmal des Erzgebirges, ein Charakteristikum dieses niederschlagsreichen Gebirges, das sofort ins Auge fällt. Allerdings sieht es mit der Natürlichkeit dieser Lebensadern unserer Landschaft nicht gerade rosig aus. Wie fast überall in Mitteleuropa ist aus den verschiedensten Gründen in die Fließgewässer eingegriffen worden und das nicht zu knapp. Am deutlichsten wird das wohl in den Städten und Dörfern. Die „Ufer“ erinnern an Festungen, totes Gelände, nicht ein Hauch von „Adern des Lebens“. Auch müssen sich viele unserer Bäche durch monotone, dunkle Fichtenforste quälen, nicht gerade eine erquickliche Angelegenheit. Aber natürlich gibt es auch eine Menge an Glanzpunkten, mit Erlen oder Weiden bestandene oder sich munter durch Wiesen schlängelnde Bergbäche, und nicht zuletzt die Abschnitte von Schwarzwasser (im Bild unten zwischen Lauter und Aue) und Mulde, die von attraktiven, arten-reichen Auwäldern begleitet werden.

Und welch ungeheures Vergnügen es sein kann, dem Lauf eines Fließgewässers zu folgen, macht folgende Passage aus einer Erzählung von Thomas Mann deutlich:

„Wie alle Gewässer vom Meere bis zum kleinsten Schilftümpel liebe ich Bäche sehr, und wenn mein Ohr, im sommerlichen Gebirge etwa, das heimliche Geplantsch und Geplauder eines solchen von ferne vernimmt, so gehe ich dem flüssigen Laute wohl lange nach, wenn es sein muß, um seinen Ort zu finden, dem versteckt-gesprächigen Söhnchen der Höhen ins Angesicht zu sehen und seine Bekanntschaft zu machen. Schön sind Gießbäche, die zwischen Tannen und über steile Felsenstufen mit hellem Donnern herabkommen, grüne, eiskalte Bäder bilden und in weißer Auflösung senkrecht zur nächsten Stufe stürzen. Aber auch den Bächen der Ebene sehe ich mit Vergnügen und Neigung zu, ob sie nun flach sind, so daß sie kaum die geschlüffenen, silbrig-schlüpfrigen Kiesel ihres Bettes bedecken, oder so tief wie kleine Flüsse, die im Schutze beiderseits tief überhangender Weiden voll und kräftig dahinwallen, in der Mitte rascher strömend als an den Seiten. Wer folgte nicht auf Wanderungen dem Lauf der Gewässer, wenn er nur frei ist, seine Wahl zu treffen?...
Für meine Person bekenne ich gern, daß die Anschauung des Wassers in jederlei Erscheinungsform und Gestalt mir die weitaus unmittelbarste und eindringlichste Art des Naturgenusses bedeutet, ja, daß wahre Versunkenheit, wahres Selbstvergessen, die rechte Hinlösung des eigenen beschränkten Seins in das Allgemeine mir nur in dieser Anschauung gewährt ist. Sie kann mich, etwa gar die des schlafenden oder schmetternd anrennenden Meeres, in einen Zustand so tiefer organischer Träumerei, so weiter Abwesenheit von mir selbst versetzen, daß jedes Zeitgefühl in mir abhanden kommt und Langeweile zum nichtigen Begriffe wird, da Stunden in solcher Vereinigung und Gesellschaft mir wie Minuten vergehen. Aber auch über das Geländer eines Steges, der über einen Bach führt, gebeugt, könnte ich stehen, solange ihr wollt, verloren in den Anblick des Fließens, Strudelns und Strömens, und ohne daß jenes andere Fließen um mich und in mir, das eilige Schleichen der Zeit, mir in Angst oder Ungeduld etwas anzuhaben vermöchte.“
Thomas Mann (1885-1955), „Herr und Hund“

 

 

Schauen Sie auch auf
den Internetseiten vom
NABU Sachsen.

 

 

 

 

 

Kontakt:

Naturherberge Affalter
Weg zur Jugendherberge
08294 Lößnitz OT Affalter
Telefon 03771 319806
Mobil 0176 78344058

naturherberge@gmx.de


 

 

Naturherberge Affalter © 2011 Anmeldung