Naturverträgliche Beweidung

„Der untrüglichste Gradmesser für die Herzensbildung
 eines Volkes und eines Menschen ist,
 wie sie die Tiere betrachten und behandeln.“
Berthold Auerbach (1812-1882)

Grünland entstand durch Weidetiere
Viele unserer mitteleuropäischen Landschaften sind durch Weidetiere entstanden. So ging ein Großteil unserer Wiesen aus der Gemeinschaftsweide der Dörfer hervor und manche Wälder aus der einst weitverbreiteten Waldweide. Mit den heutigen Weidesystemen sind diese geschichtlichen Weideformen allerdings nicht vergleichbar. Sie waren großflächig, mit geringem Tierbesatz, die Weideflächen waren weniger gepflegt und damit strukturreicher.

Grünland in roten Zahlen
In den vergangenen Jahrzehnten sind artenreiche Wiesen und Weiden immer seltener geworden. Unter guten standörtlichen Bedingungen wird in Ackerland umgebrochen oder die Grünlandnutzung stark intensiviert. In benachteiligten Regionen lohnt sich eine Bewirtschaftung nicht mehr. Produktionsschwaches Grünland oder extreme Standorte werden zu Brachland oder es wird aufgeforstet. Solche Flächen haben unter ökologischen und landschaftsästhetischen Aspekten und für Fremdenverkehr und Erholung aber große Bedeutung. Eine Möglichkeit, sie der offenen Kulturlandschaft zu erhalten, ist die Nutzung als Extensivweide.

Wie kann zum Erhalt wertvoller Grünlandbestände beigetragen werden?
Extensive Weidesysteme als nachhaltige, kreislauforientierte Landnutzungsmodelle verdienen in der Diskussion um Perspektiven des Natur- und Landschaftsschutzes eine größere Wertschätzung als bisher. Dies will der NABU mit seinen Modellprojekten deutlich machen.
Aufgrund der guten Erfahrungen bei der „biologischen Landschaftspflege“ im NSG „Wölperner Torfwiesen“ durch die Mutterkuhherde des NABU-Landesverbandes werden mit der Nachzucht der Leipziger Herde vom NABU-Kreisverband Aue-Schwarzenberg seit 1996 gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband „Westerzgebirge“ e.V.  verschiedene Modellprojekte zur Beweidung durchgeführt. Es soll gezeigt werden, dass besonders in benachteiligten Regionen die Extensivweide mit Rindern - insbesondere für Nebenerwerbslandwirte - eine geeignete Form der Landnutzung sein kann, die in hohem Maße auch Naturschutzzielsetzungen beinhalten und wirtschaftlich tragfähig sein kann (Fördermittel, Verkauf von Zuchttieren, Vermarktung von Qualitätsfleisch).
Begonnen wurde mit 8 Tieren auf 12 Hektar extensivem Grünland in Zschorlau. Die Flächen sind bis heute ganzjähriger Weideplatz für die Mutterkühe und deren Kälber und Winterquartier für die gesamte Herde, die mittlerweile angewachsen ist. Denn der Nachwuchs wird für den Einsatz in weiteren Beweidungsprojekten genutzt. So kommen die Schotten im Rahmen eines Bergwiesenschutzprojektes in einem Tal in Stützengrün - das weitgehend aus der Nutzung gefallen und langsam verbracht war - und einem Flächennaturdenkmal in Breitenbrunn zum Einsatz. Durch Kombination von Weideflächen mit Mähweide und reinen Mähwiesen für die Heuwerbung soll zum Erhalt der wertvollen und gefährdeten Bergwiesen im Erzgebirge beigetragen werden, denn in den langen erzgebirgischen Wintern werden die Tiere mit Bergwiesenheu gefüttert. In Breitenbrunn und Stützengrün wurden Weideversuche durchgeführt, um die Auswirkungen von Beweidung auf reine Mähwiesen zu untersuchen.

Was charakterisiert moderne Extensivweiden,
welche Vorteile haben sie?

Die Pflanzen- und Tiergemeinschaften herkömmlicher Weiden unterscheiden sich meist deutlich von Wiesen. In extensiven Rinderweide-Systemen mit geeigneten Rassen kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Artenpotentiale schützenswerter Wiesen (Gesellschaften des Feuchtgrünlandes bis hin zu Halbtrockenrasen) weitgehend erhalten werden können, wenn auch in anderer Kombination und Dichte.
Nicht zu gering bewertet werden sollte auch der Aspekt, dass beispielsweise bei der Mutterkuhhaltung auf eine sehr tierartgerechte Art und Weise Fleisch erzeugt wird, da die Herde ihren Bewegungsdrang und ihr Sozialverhalten voll ausleben kann.

Warum Schottische Hochlandrinder?

Der NABU hat das Schottische Hochlandrind (Highland Cattle) für seine Beweidungsprojekte ausgewählt, ein typisches „Landschaftspflegerind“, das aufgrund seiner Eigenschaften zu den für Extensivweiden geeignetsten Rinderrassen zählt:

„Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit,
ist man den Tieren schuldig.“
Arthur Schopenhauer (1788-1860)

 

 

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