Offenland

Wiesen und Weiden

Blütenbunte, artenreiche Wiesen und Weiden (auf dem Bild eine Bergwiese in Oberjugel) sind selten geworden. Durch die Veränderungen in der Landnutzung wurden sie zu monotonem Intensivgrünland, zum Acker oder zum Wald. Dabei sind wir im Bergland noch relativ glimpflich davongekommen und dürfen uns noch vergleichsweise häufig an diesen kleinen Paradiesen in der Feldflur erfreuen. Und die sind nicht nur im Frühsommer eine Augenweide, wenn sie in voller Blüte stehen, sondern bieten zu allen Jahreszeiten ein prächtiges Bild und immer neue Eindrücke, wie die folgenden Bilder und Literaturpassagen zeigen:

„Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie schön die Welt ist und wieviel Pracht in den kleinsten Dingen, in irgendeiner Blume, einem Stein, einer Baumrinde oder einem Birkenblatt sich offenbart.
Es geht eine große und ewige Schönheit durch die ganze Welt, und diese ist gerecht über den kleinen und großen Dingen verstreut.“
Rainer Maria Rilke (1875-1926)

„Betrachtest du eine Wiese, löst sie sich auf in einem Raster aus verschiedensten Farben und Blütenformen. Korb- und Rachenblütler, Glockenblumen- und Nelkengewächse, Disteln. Du mußt nicht Botanik studiert haben, um dir Zeit für die stille Sensation zu lassen. Auch was nicht spricht, hat etwas zu sagen, ist ein Mysterium und Mitgeschöpf.“
Ernst Halter, "Über Land"

„Das sind Huflattich, Wiesenbocksbart, Löwenzahn – lauter kleine Sonnen, und sie tun es der großen auch darin gleich, daß sie täglich auf- und untergehn; sie nehmen ihren Strahlenkranz jeden Abend in den Kelch zurück und lassen ihn auch bei Schlechtwetter verschlossen. So stehen sie mit der Sonne in innigster Verbindung, sind gleichsam fernste Organe von ihr und in ihrer Winzigkeit dazu ersehen, am Leben der Gewaltigen einen Augenblick lang teilzuhaben, mit ihr im gleichen Pulsschlag zu weben – ist dies nicht über alles wunderbar? Zu sehen, wie sie aufleuchten – eine ganze Wiese voll –, sobald die ungeheure Ferne, die unvorstellbar Riesige das Auge aufschlägt, und wie sie ins allgemeine Grün hinschwinden, wenn jene nicht mehr da ist?“
Josef Leitgeb (1897-1952), „Von Blumen, Bäumen und Musik“

„Wenn man den harmonischen Aufbau einer Wiese in sich aufnehmen will, tut man am besten, den Kopf ins Gras zu legen, und von der Seite auf die Halme zu schauen. Die Wiese wird dann vollkommen anders, das Einzelne kommt greifbar nahe, das Ganze vergrößert seine Ausmaße, und unser Standpunkt wird gewissermaßen der des Käfers, für den die Stengel die Stämme eines mächtigen Urwaldes bedeuten, der den Blick nicht nur nach unten, sondern auch nach oben hat, und für den das Durchzwängen durch das Gras, das Herauf und Herunter auf dem unebenen Boden eine Leistung ist.
In solcher Körperlage erkennen auch wir, daß der Graswuchs ähnlich gebaut ist, wie der Wald, daß die Halme so gesetzt sind und in ihren Arten abwechseln, daß das Licht bald hier, bald dort hineinfallen kann, und daß auch hier das Ganze in Stockwerke geteilt ist, die den Raum in der mannigfachsten auszunutzen gestatten. Auch der Wind ist ein Verteiler der Beleuchtung; dadurch, daß die Gräser und vor allem ihre schattenwerfenden Ähren schwanken, wird kein Teil des Bodens ständig beschattet, immer wechselt das Licht. In reizvollster Weise wandern die Sonnenflecken an den Stengeln entlang und marmorieren auch die Steine, die zwischen den Gräsern glänzen...
Andere Blätter oder Pflanzen stehen schräg, manche Halme ziehen sogar quer, uns so baut sich der Graswald als ein Gitterwerk auf, dessen Stäbe nirgends so eng aneinanderschließen, daß Luft und Licht abgehalten wird. Dazu kommt ein Aufbau in Stockwerken. Die an Masse reicheren und darum mehr schattenden Ähren und Blumen schließen nicht in einer Ebene zu einem Dach zusammen, sondern sie verteilen sich auf verschiedene Höhen.“
Konrad Guenther (1874-1955), „Die Sprache der Natur“

 

 

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