Moore

Moore gehören heute zu den ganz großen Trümpfen, die das Erzgebirge hinsichtlich seiner Naturausstattung auszuspielen hat. Sowohl auf böhmischer als auch auf sächsischer Seite kann man einige von ihnen mit Fug und Recht als einmalig in Europa bezeichnen. Am bekanntesten unter den Mooren im Westerzgebirge sind zweifelsohne die grenzübergreifenden Kammmoore Großer (Bild oben) und Kleiner Kranichsee (Bild unten).

Moore gehören zu den ältesten Lebensräumen in Europa, ihre Entstehung begann schon nach der letzten Eiszeit vor 10000 Jahren, als das kalte, niederschlagsreiche Klima nur wenigen Pflanzen Entwicklungsmöglichkeiten bot. Dazu gehören die Torfmoose, die zum Wachsen nur Wasser und die in ihm gelösten Mineralien benötigen. Das fanden sie auf wenig geneigten Flächen und in Mulden auf undurchlässigem Untergrund und so begann damals eine faszinierende Entwicklung bis zur Gegenwart, in der wir Hochmoore mit einer Torfschicht bis über 8 Meter finden.

Was ausgerechnet die Moore und Sümpfe so anziehend macht, lässt sich schwer sagen. Vielleicht diese einzigartige Mischung aus Land und Wasser, aus Offenland und Wald. Und natürlich diese Stille und scheinbare Unberührtheit, die etwas mit der schweren Zugänglichkeit dieser Lebensräume zu tun hat. Möglicherweise spielt aber auch die Furcht und Angst eine Rolle, die von ihnen in der Vergangenheit ausging, die in der Sagen- und Märchenwelt vieler Völker ihren Niederschlag gefunden hat und bis heute auf geheimnisvolle Weise nachwirkt.

„Aber nicht nur mit dem, was es birgt, redet das Moor von vergangener Zeit, auch das lebende Moor singt uns das Lied der Vorzeit, wie kaum eine andere Landschaft. Uralte Gefühle werden in uns wach, wenn wir über das Moor schreiten. Die weite der Landschaft gießt Ruhe in unser Herz, aber leise steigt auch das Gefühl des Unheimlichen in uns auf, wenn unser Fuß am federnden Boden das Trügerische des Untergrundes spürt. Und wenn der Abend kommt, steigen Nebelschwaden aus der Feuchte, formen sich zu wunderlichen Gestalten, schweben hin und her und breiten sich zu Tüchern, die weiß im Lichte des Mondes erglänzen. Die Bäume, die auf dem unsicheren Boden nur mühsam Halt finden und dabei im Winter scharfen Winden zu widerstehen haben, nehmen eigentümliche Formen an, strecken ihre Zweige wie hilfesuchend aus, und wenn nun noch der Nebel den Wuchs zum Teil verhüllt, scheinen Gestalten hervorzutreten, die nichts Baumartiges mehr an sich haben, und in denen die bereits angeregte Phantasie leicht Geister erkennen kann. An die Erlen, neben Birken und Weiden echte Kinder des Moores, knüpft sich daher die Sage; Königstöchter aus dem Feenreich weben und schweben um die leise schwankenden Bäume.“
Konrad Guenther (1874-1955), „Die Sprache der Natur“

Viele der im Laufe der Zeit in Europa entstandenen Moore finden wir heute nicht mehr oder nur noch in kümmerlichen Resten. Durch den Torfabbau und die Entwässerung zum Zwecke der land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung verschwanden ungeheure Flächen dieses einstmals weit verbreiteten Landschaftstyps. Besonderes eindrucksvoll und ergreifend beschreibt uns dies die Schweizer Schriftstellerin Erika Burkart:

„Die Pranken greifen aus, greifen zu, fetzen der Erde das Grasfell ab. Hauer scharren Fossiles zutage, Klauen räumen es fort, schieben und schichten es zu grotesken Tumuli; Mumie verkrallt sich in Mumie. Im Birkenwald kreischt die Säge, Beilhiebe hallen bis in die Torffelder. Wohin sie nur die vielen Stämme schaffen? Soviele Lebensbäume in einem Jahr. Nicht einen lassen sie stehen...
Ich weiß nicht, wie die Trockenlegung eines Gewässers mit technischen Mitteln erreicht wird. Mir sind nur die Vorgänge der natürlichen Verlandung bekannt. Jahrelang hätte ich Gelegenheit gehabt, den Fortgang von Drainierungsarbeiten zu verfolgen. Ich tat es nicht, weil ich es nicht ertrug, der Landschaft in die Wunden zu schauen...
Innerhalb weniger Stunden wurde ein Heidekrauthügel, der in voller Blüte stand, planiert. Mir war, die Raupe fahre über meinen eigenen Leib. Zu einem Schatten wurde ich gewalzt. Der lange Schatten lag auf den Schollen, darunter die Blumen begraben waren, lebendige Blüten, die erstickten. – Als der Hügel zur Hälfte eingeebnet war, gossen sie Benzin über die Kopfweiden am Graben, der den Hügel vom Umgelände trennte. An Schäfer Mulls Weiden, nein, ich wußte es besser, ich allein wußte es, an Erlkönigs Weiden legten sie Feuer und glotzten, die Pfoten in den Hosentaschen, lustvoll in den aufprasselnden Brand. Die Weidenschöpfe sprühten Feuerflocken. Ein roter Regen erhellte die Dämmerung. Erlkönigs Töchter im güldnen Gewand. Jeder der glühenden Köpfe zeigte noch einmal sein Gesicht. Grauen verzerrte die Züge, die rasch zerfielen. Die Köpfe barsten, die Leiber spalteten sich. Drei Lohen standen über dem Moor. Schwarze Stümpfe würden mich am Morgen anstarren. Erlkönigs Töchter im Aschensack.“
Erika Burkart (1922-2010), „Der Weg zu den Schafen“

 

 

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