Hintergrund

Hier finden Sie derzeit folgende Beiträge:

- Einführung
- Vom Verschwinden
- Zitate der Woche

Einführung

„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse,
aber nicht für jedermanns Gier.“
Mahatma Gandhi (1869-1948)

Es ist zwar im „Großen und Ganzen“ mittlerweile unbestritten, dass Natur- und Umweltschutz notwendig sind und auch, dass unbedingt ein Zahn zugelegt werden muss, wenn die nachfolgenden Generationen noch eine Natur vorfinden sollen, die zumindest eine gewisse Ähnlichkeit mit der unseren hat. Im „Kleinen“ aber, wenn es konkret wird, sieht die Sache schon anders aus. Da verstricken wir uns in Widersprüche wie eh und je, weil wir im Grunde nicht genug kriegen können, weil von Zufriedenheit mit dem, was wir schon alles haben, immer noch nicht die Rede sein kann. Obwohl es uns so gut geht wie noch nie zuvor, zumindest unter materiellen Gesichtspunkten, fahren wir fort mit dem „schneller, höher, weiter“. Wir beten ungebremst die heiligen Kühe Fortschritt und Wachstum an, obwohl wir nicht nur deren „Segnungen“, sondern auch deren teils fatale Auswirkungen deutlich vor Augen haben. Das alles bezahlen wir unter anderem mit einem ruinösen Umgang mit der Natur. Trotz nicht zu leugnender Erfolge im Bereich Natur- und Umweltschutz ist diese Entwicklung ungebrochen. Der Satz von Hermann Löns (1866-1914), 1911 in einer Rede vor dem Bremer Lehrerverein vorgetragen, hat heute wie damals seine Gültigkeit: „Pritzelkram ist der Naturschutz, so wie wir ihn haben. Der Naturverhunzung dagegen kann man eine geniale Großzügigkeit nicht absprechen. Die Naturverhunzung arbeitet ‚en gros’, der Naturschutz ‚en detail’.“
Nicht, dass man uns falsch versteht, wir wollen nicht zurück auf die Bäume und keiner muss das. Aber ist es nicht an der Zeit, bestimmte Dinge und Entwicklungen ernsthafter zu hinterfragen und zu diskutieren? Einen kleinen Beitrag dazu wollen wir in den folgenden Beiträgen leisten. Dabei geht es oft auch um scheinbar nebensächliche, unbedeutende Dinge, die aber durchaus bezeichnend sind für unsere Art zu denken und unseren oft kühlen, manchmal auch erbarmungslosen Umgang mit unserer Mitwelt.
Es soll dabei aber keinesfalls der Eindruck entstehen, Naturschützer wären bessere Menschen und hätten den Stein der Weisen gefunden. Bei weitem nicht. Wir wissen fast nichts und verwickeln uns häufig in Widersprüche, pflegen mit Vorliebe unsere durchaus vorhandenen Eitelkeiten und führen unsere „Fraktionskämpfe“ auf. Vielleicht sind wir ja tatsächlich nur arme Würstchen im Kampf gegen Windmühlen, Romantiker, die glauben, einen fahrenden Zug aufhalten zu können, ihm tatsächlich aber nur hilflos hinterherrennen und, wenn überhaupt, nur noch die Rücklichter sehen?

Vom Verschwinden

„Das Leben der Menschen, die am Morgen vors Haus treten
und das Glucksen der Birkhähne nicht gehört haben, muß traurig sein,
denn den wirklichen Frühling haben sie nicht kennengelernt.“
Czeslaw Milosz (1911-2004)

Man müsste schon etliche Jahre auf dem Buckel haben, wenn man bei uns die Situation aus eigenem Erleben kennen wöllte, die uns der polnische Schriftsteller Czeslaw Milosz da beschreibt. Er ist an der Grenze zu Weißrussland (Litauen) aufgewachsen und dort kann man den „wirklichen Frühling“ wahrscheinlich auch heute noch so erleben, wie er ihn aufgezeigt hat, noch. Auch bei uns war das Birkhuhn einst ein Allerweltsvogel, aber das ist schon viele Jahrzehnte her. Aber jedem von uns werden andere Vogelarten einfallen, die einen noch vor wenigen Jahren am Morgen förmlich vor der Haustür begrüßten und heute nichts mehr von sich hören lassen. Das Rebhuhn beispielsweise und vielerorts auch schon die Feldlerche. Unsere Frühlinge werden immer trauriger.
Wir nehmen es gar nicht so richtig wahr, dieses Verschwinden um uns her, es geht oft so still und leise vor sich, ungesehen und ungehört, unspektakulär und ohne Aufhebens. Wir finden es vielleicht sogar amüsant, wenn die letzte Auerhenne in einer Art geistiger Verwirrung mitten in einer Ortschaft nach einem „Mann“ sucht, wenn der letzte Birkhahn auf dem Balzplatz vergeblich nach einem „Gegner“ Ausschau hält. Es schreit nichts in uns auf, wenn wieder eine Feldlerchenbrut vom Traktor überrollt wird. Es schlägt nichts in uns Alarm, wenn die letzten Rebhuhnküken nach zähem Überlebenskampf in den Einöden unserer Agrarlandschaften kläglich verhungern. Wir weinen nicht, wenn die letzte Uralteiche im Dorf gefällt wird oder die letzte blütenbunte Wiese unter den Pflug kommt und durch einen Maisacker ersetzt wird, nachdem der alte Bauer das Handtuch geworfen hat. Es ist schade, dass wir dermaßen hartschalig sind und mit uns selbst beschäftigt, dass wir diese Dinge nicht zur Kenntnis nehmen. Dabei ist dieses Verschwinden eigentlich eine tieftraurige Angelegenheit, die uns schlaflose Nächte bereiten sollte. Aber wir gehen weiter unseren alltäglichen „Geschäften“ nach, die uns genügend in Anspruch nehmen, während draußen in unserer Nachbarschaft die Vielfalt verschwindet und durch Einfalt und Monotonie ersetzt wird. Das Verschwinden läuft in kleinen Schritten ab: tipp, tapp, tipp, tapp, wie das altbekannte Ticken einer Uhr, das wir schon lange nicht mehr hören, Gewohnheit eben. So ist es auch mit dem Verschwinden, es geschieht, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Und so werden unsere Frühlinge wirklich immer trauriger und wir merken es nicht einmal.

Dieser Auszug aus der kürzlich erschienenen Broschüre „Wälder, Moore und ‚wilde Hühner‘- Die einmalige Natur des oberen Auersberggebietes“ des Landschaftspflegeverbandes Westerzgebirge (siehe Publikationen) macht erschreckend deutlich, was da sozusagen hinter den Kulissen weiterhin abläuft. Während die erfreuliche Rückkehr des Wolfes - die sogar den Eindruck erwecken könnte, es gehe irgendwie bergauf mit unserer Natur - medienwirksam gefeiert oder verteufelt wird, ist das Schicksal anderer Arten längst besiegelt oder wird gerade entschieden. Das Auerhuhn, einst ein Charaktervogel unserer Wälder, namengebend für eine ganze Region, verschwunden für immer, es bleibt nur der Name. Das Rebhuhn, noch vor wenigen Jahren in unserer Feldflur ein vertrauter Anblick, ereilt mit großer Wahrscheinlichkeit gerade das gleiche Schicksal, es bleibt nur die Erinnerung. Die letzten Birkhühner fechten auf dem Erzgebirgskamm gerade ihren schweren, hoffentlich nicht aussichtslosen Kampf aus gegen Aufforstung ihrer Lebensräume, Windräder und andere Widrigkeiten. Kein Hahn kräht danach. Viele weitere Arten werden ihnen folgen, wenn wir so weitermachen wie bisher.

Dichter und Denker mahnen schon seit Ewigkeiten, unerhört ungehört:
 
„Die Sense rauscht, die Ähre fällt,
Die Tiere räumen schon das Feld,
Der Mensch begehrt die ganze Welt.“
Theodor Storm (1817-1888)

 „Jedes Tier, das vergeht, jede Art Lebewesen, die ausstirbt,
verdünnt das Weltvokabular, bringt uns weiter zurück von der Wahrheit,
die nur aus dem Zusammenklang aller Wesen sich heraufarbeitet.“

Wilhelm Lehmann (1881-1968), „Bukolisches Tagebuch“

„Der Ausrottungsfeldzug läuft vor unser aller Augen ab.
Die Natur reduziert sich auf Zitate. Die Namen fast aller Tiere
sind noch besetzt mit Erinnerungen an deren Leibhaftigkeit.
Unbemerkt verabschiedet sich die Grauammer.
Selbst der Anblick eines Feldhasen oder Hamsters,
noch kürzlich in stattlichen Populationen vorhanden,
wird zu einem seltenen Erlebnis.“
Wulf Kirsten

Zitate der Woche

„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse,
aber nicht für jedermanns Gier."
Mahatma Gandhi (1869-1948)

„Es knospt
unter den Blättern
das nennen sie Herbst.“
Hilde Domin (1909-2006)

„Geheimnisvoll am lichten Tag,
Läßt Natur sich des Schleiers nicht berauben,
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.“
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

„Mein einstiger Glaube an die Überlegenheit der naturwissenschaftlichen Denkweise über andere Wege zum Verstehen und Handeln,
scheint mir jetzt eine Selbsttäuschung.“
Max Born (1882-1970), deutscher Mathematiker und Physiker

„In allem findest du dich wieder. Der Käfer, der tot am Wege liegt – er war etwas, das lebte, um sein Dasein rang wie du, an der Sonne sich erfreute wie du, Angst und Schmerzen kannte wie du und nun nicht mehr ist als verwesende Materie – wie du über kurz oder lang sein wirst.“
Albert Schweitzer (1875-1965)

„Der Teufelskreis beginnt freilich auch von der anderen Seite her damit, daß der Homo faber die Stille, die er nur als Mangel an Erlebnisanregung empfindet, flieht. Denn es ist das Unendliche selbst, das sich als Stille aufdrängt. Selbst wenn dieser Typ Mensch heute bereits dominieren würde, dürfte Demokratie keine Rechtfertigung sein, darüber zu bestimmen, was zukünftige Generationen noch erleben und was sie daran an Seelenfähigkeiten ausbilden können. Über die Seelenverfassung unserer Kinder stimmen wir nicht nur in Puncto Stille ab, sondern generell mit der Frage, wo noch eine Natur erlebbar ist, der gegenüber der Mensch der kleinere ist.“
Reinhard Falter

„Die heute so leidenschaftlich ausgerufene Partnerschaft mit der Natur ist ein vergebliches Postulat, solange die tieferen wissenschaftsgeschichtlich begründeten Ursachen für die Krise im Mensch-Natur-Verhältnis unaufgedeckt bleiben. Ebenso ist der so modisch gewordene Ethik-Boom eine reine Alibiveranstaltung. Wie soll die Ethik die Härte des technisch-industriellen Fortschritts im nachhinein „weich“ machen können, wenn in den Denkansätzen und in den daraus abgeleiteten Instrumentarien selbst das Problem liegt. Es macht die besondere Gefahr der gegenwärtigen Entwicklung aus, daß es gerade die über ihr eigenes Erkennen nicht aufgeklärten Wissenschaftler und Techniker sind, die heute als Berater und ‚Retter‘ das Ohr der Politiker haben.“
Günter Altner (1936-2011)

„Ein Gemeinplatz unserer Kulturkritik bezeichnet den Menschen als Störung des Lebens, den Menschen schlechthin. Mit Verlaub: dieses störende Element ist genau einzuengen. Es ist der europäische Mensch, der seit seinem Ausbruch aus dem – die übrige Welt schützenden – Gatter die anderen Kontinente mit einem ätzenden Schleim überzieht. Der Europäer, mag er nun körperlich auftreten wie in Amerika oder geistig wie in Asien, wirkt wie eine ansteckende Krankheit. Unter seinem Giftatem sterben die in Jahrtausenden gewachsenen Gemeinschaften dahin: Pflanzen, Tiere, Naturvölker.“
Werner Müller (1907-1990), Geliebte Erde

„Um die Wahrheit zu sagen, wenige Erwachsene können die Natur sehen. Die meisten sehen die Sonne nicht. Zumindest ist ihr Sehen sehr oberflächlich. Die Sonne bescheint nur das Auge des Mannes, aber in das Auge und das Herz des Kindes scheint sie hinein. Derjenige ist ein Naturliebhaber, dessen innere und äußere Sinne noch wahrhaft übereinstimmen; wer sich den Geist der Kindheit noch bis hinein in die Jahre des Mannesalters erhalten hat. Sein Verkehr mit dem Himmel und der Erde wird ein Teil seiner täglichen Nahrung. In der Natur durchströmt den Menschen wunderliches Wohlbehagen trotz all seiner Sorgen. Die Natur spricht – er ist mein Geschöpf, und trotz all des bedrängenden Kummers soll er mit mir glücklich sein.“
Ralph Waldo Emerson (1803-1882), „Natur“

„In der Wertlosigkeit der Natur
spiegelt sich die Naturlosigkeit von uns selbst.“
Hans Immler

„Statt die Welt zu interpretieren, vermaßen wir uns, sie bis zur Unkenntlichkeit zu verändern. Statt das Lob der Faulheit und der Torheit zu verkünden, erkiesten wir uns eine fragwürdige Vernunft zum Leitgedanken des Fortschritts.“
Heinz Czechowski (1935-2009), „Nachtspur“

„Er ist einem Elefanten begegnet und sagt: ‚Ich habe ein Tier gesehen, das kleine Augen hat.‘“
Ernst Jünger (1895-1998), „Sgraffiti“

„‘Aus dem Staunen nicht herauskommen‘, ein mögliches Lebensmotto.“
Peter Handke, „Gestern unterwegs“

„Indem die Natur den Menschen zuließ, hat sie viel mehr als einen Rechenfehler begangen: ein Attentat auf sich selbst.“
E.M. Cioran (1911-1995), „Werke“

„…und ich werde an Weihnachten nachhause kommen.
Wir alle tun das oder sollten es tun.
Wir alle kommen heim oder sollten heimkommen.
Für eine kurze Rast, je länger desto besser,
um Ruhe aufzunehmen und zu geben.“
Charles Dickens (1812-1870)

„Ich wollte zeigen, daß der Mensch kein privilegiertes Wesen ist, sondern Teil des Universums, daß er die gleiche Natur hat wie die Gestirne, ein Stück Papier oder ein Blatt eines Baumes.“
Antoni Tapies (1923-2012)

„Wenn alle Stricke reißen, dann hänge ich mich auf.
Aber erst dann.“
Johann Nepomuk Nestroy (1801-1862)

„Was mir bis jetzt doch gelungen ist: keine Spur einer Weltsicht zu haben.“
Peter Handke, „Gestern unterwegs“

„Die Alten wussten, dass das Herz eines Menschen, der sich der Natur entfremdet, hart wird. Sie wussten, dass mangelnde Ehrfurcht, Wertschätzung von allem Lebendigen und allem, was da wächst, bald auch die Ehrfurcht und Wertschätzung vor den Menschen absterben lässt. Deshalb war der Einfluss der Natur, der die jungen Menschen feinfühlig machte, ein wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung.“
Luther Standing Bear (1868-1939), Lakota

 „Willst du wissen, was Schönheit ist,
so gehe hinaus in die Natur.“
Albrecht Dürer (1471-1528)

„Wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann,
ist seelisch bereits tot.“
Albert Einstein (1879-1955)

„Das Staunen bescherte uns unsere Art von Verstand und Herz.“
Gary Snyder, „Lektionen der Wildnis“

„Erst das Schweigen tut das Ohr auf für den inneren Ton in den Dingen, in Tier und Baum und Berg und Wolke.“
Romano Guardini (1885-1968)

„Nun, in der Natur wird nichts als Unsinn getrieben. Die Schmetterlinge tanzen, die Käfer musizieren, der Pfau schlägt sein Rad, der Hahn benimmt sich grässlich albern, und unser nächster Verwandter, der Affe, hat nichts als Schabernack im Kopf ... Ich glaube, dass einem Apfelbaum seine Äpfel ziemlich unwichtig sind und dass er seinen Hauptspaß im Blühen und Duften und derlei zwecklosem Unsinn findet. Im Grunde ist es unter den Menschen auch nicht anders. Alles wirklich Wertvolle ist aus einer Spielerei hervorgegangen ... Ja, man kann soweit gehen zu sagen: Ein Mensch, der nicht weiß, dass er ein Narr ist, ist nicht nur kein Künstler, sondern versteht überhaupt nichts vom Leben.“
Egon Friedell (1878-1938)



 

 

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